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Ein Arbeitsleben in den Dienst der Kinder gestellt

Peter Vorndamme, Leiter des evangelischen Kinder- und Jugendhauses Centrumplatz, geht in den Ruhestand. Jetzt will er ganz und gar Opa sein.

Peter Vorndamme geht in den Ruhestand. Er hat das Ev. Kinder- und Jugendhaus Centrumplatz geleitet.Foto:Joachim Haenisch

Das Arbeitsleben ist für Peter Vorndamme zu Ende. Der Gesamtleiter des Ev. Kinder- und Jugendhauses in Trägerschaft der Diakonie Gelsenkirchen/Wattenscheid, mit Häusern in beiden Städten, geht in den Ruhestand. In Wattenscheid hat sich Vorndamme (65) als Leiter am Centrumplatz – und all den Einrichtungen, die dazu gehören – um das Wohl der jungen Menschen verdient gemacht. Redakteurin Ellen Wiederstein sprach mit dem scheidenden Einrichtungsleiter Peter Vorndamme.

Fangen wir im Heute, im Jetzt an. Wie geht es Ihnen mit dem Gefühl, am Ende dieser Woche für immer den Hut zu nehmen?

Peter Vorndamme: Es geht mir gut, weil hier in den Einrichtungen alles gesagt und getan ist. Ich habe einen guten Nachfolger gefunden und kann jetzt in Ruhe in den Ruhestand gehen.

Bleiben Sie Ansprechpartner, wenn Ihr Wissen und Ihre Erfahrung gefragt sind?

Nein, denn mit meinem Nachfolger, Wolfram Ring, habe ich jetzt einige Wochen zusammengearbeitet. Bei ihm sind das Haus und die daran hängenden Einrichtungen in guten Händen. Er wird seinen Weg machen. Und da will ich nicht im Wege stehen.

Sie haben lange in Westfalen, in Bethel und später dann in Dortmund gearbeitet. Anfang der 90er Jahre kamen sie als Vize-Chef ins Haus Overdyck Bochum, eine evangelische Stiftung. Wann haben sie Ihre Arbeit im Kirchenkreis Gelsenkirchen/Wattenscheid begonnen?

Die Leitung des Ev. Kinder- und Jugendhauses Gelsenkirchen habe ich am 1. Oktober 1993 übernommen. Damals gab es die Einrichtung Centrumplatz in Wattenscheid noch gar nicht. Den Sitz der Einrichtung haben wir 2002 von Gelsenkirchen nach Wattenscheid verlagert. Wir haben die erste Etage und das Dachgeschoss des alten Verwaltungsgebäudes der Zeche Centrum angemietet. Zu meinem Beginn 1993 war das Ev. Kinder-Jugendhaus in Gelsenkirchen ein klassisches Kinderheim mit ca. 60 Kindern. Die Einrichtung Kinder- und Jugendhaus wuchs dann im Laufe der Jahre rasant, immer mehr verschiedene Angebote sind hinzugekommen.

Welche?

Die Ev. Kinder- und Jugendhaus gGmbH als diakonischer Träger hat den gesamten Gebäudekomplex Centrumplatz mit ca. 2000 qm im Laufe der nunmehr 15 Jahre angemietet. Somit wurden Angebote geschaffen wie eine Kindertagesstätte, eine Fünf-Tage-Gruppe, in der Kinder innerhalb der Woche leben, ein Mutter-Vater-Kind-Haus, ein Mutter-Vater-Kind Wohnprojekt mit zwei Trainingswohnungen für Familien, das Jugendschutzcentrum, ein Familienbüro und das Ambulante Jugendhilfezentrum. Als Häuser außerhalb des Centrumplatzes haben wir in Wattenscheid zusätzlich die Kinderschutzvilla an der Graf-Adolf-Straße und das Jugendwohnprojekt an der Elisabethstraße.

Viele Hilfsangebote. Also besteht auch Bedarf, Nachfrage. Ist die soziale Situation für junge Menschen schwieriger geworden?

Es wird genauer hingeschaut, vor allem durch die Jugendämter. Eine eigene Familie ist immer der beste Lebensort für ein Kind. Aber es gibt Familien oder Alleinerziehende, die mit der Situation, Aufgabe und Verantwortung Eltern-Kind sehr schwer zurechtkommen. Auslöser können sowohl Drogen- oder Alkoholprobleme sein, als auch psychische Erkrankungen der Eltern wie auch Gewalt, Arbeitslosigkeit oder große finanzielle Probleme. Wir sind für Kinder und Jugendliche da, die in ihrer Familie auf Grund von Krisen kurz- oder längerfristig nicht leben können und bieten bis zur Klärung der Krise und der weiteren Lebensperspektive einen Schutz- und Schonraum in einer unserer Gruppen an. Auch den Familien bieten wird Hilfen und Unterstützung an und versuc

Wenn Sie zurückschauen auf fast 25 Jahre Kinder- und Jugendhaus, gut 15 davon in Wattenscheid: Was ist für Sie ein Höhepunkt?

Wenn 45 Kinder morgens gerne in die Kita Centrumplatz kommen. Da ist richtig Leben. Sie fühlen sich wohl hier.

Und was war für Sie weniger erfreulich?

Wenn es um personelle Situationen ging, Mitarbeiter sogar auch gehen mussten. Chef sein heißt, nicht immer nett sein zu können.

Konnten Sie Privatleben und Beruf trennen, oder haben Sie viel mit nach Hause geschleppt?

Nein, ich kann beides sehr gut trennen. Das habe ich im Laufe meiner Berufsjahre gelernt.

Wie stellt sich Peter Vorndamme, Ehemann und Vater zweier erwachsener Kinder, den Ruhestand vor?

Ich werde mich um die Enkeltochter (2) und die zweite Enkeltochter, die jetzt jeden Tag zur Welt kommen kann, kümmern und ein guter Opa sein. Außerdem hat meine Frau bestimmt genug Aufgaben für mich.

Die Tür steht auch in Zukunft offen

Die Nachfolge von Peter Vorndamme übernimmt Wolfram Ring. Der 46-Jährige ist verheiratet, Vater zwei Kinder (23/17), lebt in Remscheid und hat mehrere Ausbildungen gemacht. Er ist Sozial- und Traumapädagoge, hat seinen Master in Sozialmanagement und ist Familientherapeut. Ring hat 20 Jahre in der Bergischen Diakonie Aprath gearbeitet.

Auf die Leiterstelle bei der Diakonie am Centrumplatz ist er durch ein Inserat im Februar 2017 aufmerksam geworden. Er habe sich dann über die Einrichtung informiert, sich das Haus vor Ort am Centrumplatz angeschaut und sich dann beworben. „Ich weiß, dass ich jetzt in große Fußstapfen trete. Erst einmal will ich hier alles kennenlernen – vor allem auch das Ruhrgebiet.“ Ring setze auf Fortsetzung der Arbeit von Vorndamme. „Bei Veränderungen bin ich noch lange nicht angekommen.“

Er werde es halten wie sein Vorgänger: „Die Tür war immer offen und sie wird auch künftig für alle offen bleiben.“